Die Wärmeausdehnung von Kunststoffplatten sollte besonders im Außenbereich berücksichtigt werden. Mit unserem Rechner können Sie die thermische Längenänderung verschiedener Materialien schnell und einfach berechnen.
Kunststoffplatten verändern bei Temperaturunterschieden ihre Abmessungen. Bei Erwärmung dehnen sie sich aus, bei Abkühlung ziehen sie sich wieder zusammen. Besonders bei Fassadenverkleidungen, Sichtschutz, Balkonverkleidungen, Abdeckungen und anderen großformatigen Anwendungen muss diese Wärmeausdehnung bereits bei Planung und Montage berücksichtigt werden.
In diesem Blog zeigen wir, wie sich die thermische Längenänderung berechnen lässt, welche Kunststoffplatten sich stärker oder schwächer ausdehnen und worauf bei Befestigung, Bohrungen und Bewegungsraum zu achten ist. Mit unserem Rechner können Sie die Wärmeausdehnung von Acrylglas, Polycarbonat, PVC, PE, PP, PETG, HPL, Alu-Verbundplatten und weiteren Werkstoffen direkt überschlägig berechnen.
Kunststoffe reagieren auf Temperaturänderungen stärker als viele metallische Werkstoffe. Wird eine Platte wärmer, nimmt ihre Länge zu. Bei sinkender Temperatur zieht sich das Material wieder zusammen.
Wie groß die Längenänderung ausfällt, hängt vor allem vom Werkstoff, von der Plattenlänge und von der Temperaturdifferenz ab.
Wichtig: Wird die thermische Ausdehnung nicht berücksichtigt, können Spannungen, Wellenbildung, Verformungen oder im ungünstigen Fall Risse und Schäden an Befestigungspunkten entstehen.
Die thermische Längenänderung lässt sich überschlägig mit einer einfachen Formel berechnen:
ΔL = L × α × ΔT
| Zeichen | Bedeutung |
|---|---|
| ΔL | Längenänderung der Platte in mm |
| L | Ausgangslänge der Platte in mm |
| α | Linearer Wärmeausdehnungskoeffizient des Materials in 1/K |
| ΔT | Temperaturdifferenz in K beziehungsweise °C |
Je größer Plattenlänge und Temperaturdifferenz sind, desto größer wird die absolute Längenänderung. Zusätzlich beeinflusst der materialabhängige Wärmeausdehnungskoeffizient das Ergebnis.
Hinweis: Für Temperaturdifferenzen ist der Zahlenwert in Kelvin und Grad Celsius identisch. Eine Temperaturänderung von 40 °C entspricht deshalb einer Temperaturdifferenz von 40 K.
Wählen Sie das Material aus und geben Sie Plattenlänge sowie erwartete Temperaturdifferenz ein. Der Rechner ermittelt daraus die überschlägige thermische Längenänderung.
Geben Sie Ihre Werte ein und starten Sie die Berechnung.
Hinweis: Die hinterlegten Wärmeausdehnungskoeffizienten sind typische Richtwerte. Je nach Materialtype, Hersteller, Temperaturbereich, Plattenaufbau und konkreter Ausführung können die tatsächlichen Kennwerte abweichen.
Die folgende Tabelle zeigt typische lineare Wärmeausdehnungskoeffizienten. Je höher der Wert, desto stärker verändert sich die Länge eines Werkstücks bei gleicher Temperaturänderung.
| Material | α in mm/m·K | Typische Anwendung |
|---|---|---|
| Acrylglas | ca. 0,07 | Sichtscheiben, Verglasungen und Abdeckungen |
| Polycarbonat | ca. 0,065 | Schutzverglasungen und Maschinenschutz |
| PETG | ca. 0,06 | Schutzscheiben und transparente Verkleidungen |
| PVC-Hart | ca. 0,08 | Technische Platten und Verkleidungen |
| ABS | ca. 0,07–0,10 | Gehäuse und technische Bauteile |
| PE | ca. 0,10–0,20 | Behälterbau und technische Anwendungen |
| PP | ca. 0,12 | Behälterbau und chemisch beanspruchte Bauteile |
| PTFE | ca. 0,12–0,20 | Gleit-, Dichtungs- und Chemietechnik |
| HPL-Kompaktplatten | ca. 0,02–0,03 | Fassaden, Sichtschutz und Balkonverkleidungen |
| Alu-Verbundplatten | ca. 0,024 | Fassaden, Wand- und Dachrandverkleidungen |
| Aluminium | ca. 0,023 | Profile und Unterkonstruktionen |
| Edelstahl V2A | ca. 0,016 | Befestigungen und Metallkonstruktionen |
| Stahl | ca. 0,012 | Unterkonstruktionen und Stahlbau |
| Glas | ca. 0,009 | Verglasungen |
Materialkennwerte: Die Werte dienen als typische Richtwerte. Weitere Angaben zu unseren Plattenwerkstoffen finden Sie in den technischen Datenblättern für Kunststoffplatten.
Eine 3000 mm lange Acrylglasplatte wird im Außenbereich montiert. Zwischen zwei betrachteten Temperaturzuständen wird eine Temperaturdifferenz von 40 °C angenommen.
| Plattenlänge | 3000 mm |
|---|---|
| Wärmeausdehnungskoeffizient | 0,00007 1/K |
| Temperaturdifferenz | 40 K |
| Berechnung | 3000 × 0,00007 × 40 |
| Längenänderung | 8,4 mm |
Die Länge der Platte verändert sich zwischen den beiden betrachteten Temperaturzuständen somit rechnerisch um rund 8,4 mm. Dieser Bewegungsbereich muss bei der Konstruktion und Befestigung berücksichtigt werden.
Wichtig: Die 8,4 mm sind die gesamte Längenänderung zwischen den beiden angenommenen Temperaturzuständen. Wie viel Bewegungsraum an einzelnen Plattenrändern erforderlich ist, hängt vom konkreten Montageaufbau und vom Bezugspunkt der Befestigung ab.
Zwischen den verschiedenen Plattenwerkstoffen bestehen deutliche Unterschiede. Materialien mit hohem Wärmeausdehnungskoeffizienten benötigen bei großen Formaten entsprechend mehr Bewegungsraum.
| Einordnung | Materialien |
|---|---|
| Hohe Wärmeausdehnung | PE, PP und PTFE |
| Mittlere Wärmeausdehnung | Acrylglas, Polycarbonat, PETG, PVC-Hart und ABS |
| Geringere Wärmeausdehnung | HPL-Kompaktplatten und Alu-Verbundplatten |
| Metallische Vergleichswerkstoffe | Aluminium, Edelstahl und Stahl |
Die geringere thermische Längenänderung von HPL und Alu-Verbundplatten bedeutet jedoch nicht, dass bei deren Montage kein Bewegungsraum erforderlich ist. Auch hier müssen Plattengröße, Temperaturbereich und jeweiliges Befestigungssystem berücksichtigt werden.
Kunststoffplatten sollten so montiert werden, dass die temperaturbedingte Materialbewegung nicht durch eine starre Befestigung verhindert wird.
Wie Sie saubere Bohrlöcher herstellen und genügend Bewegungsspiel für eine spätere Verschraubung berücksichtigen, zeigen wir im Blog Acrylglas bohren und richtig verschrauben.
Bei HPL-Platten wird die notwendige Materialbewegung unter anderem über Fix- und Gleitpunkte berücksichtigt. Wie die Bohrungen ausgeführt werden, erklären wir ausführlich im Blog HPL-Platten bohren.
Hinweise zum Auflegen, Fixieren, Sägen und Fräsen finden Sie zusätzlich im Blog HPL-Platten schneiden.
Bei Außenanwendungen wirken neben der Materialausdehnung weitere Einflüsse auf die Konstruktion. Deshalb darf die Berechnung der Längenänderung niemals isoliert betrachtet werden.
| Einfluss | Bei der Planung berücksichtigen |
|---|---|
| Sonneneinstrahlung | Oberflächentemperatur kann deutlich über der Lufttemperatur liegen. |
| Plattenfarbe | Dunkle Oberflächen können sich stärker erwärmen als helle. |
| Plattengröße | Große Platten besitzen eine größere absolute Längenänderung. |
| Unterkonstruktion | Sie muss Materialbewegung zulassen und gleichzeitig ausreichend stabil sein. |
| Wind und Schnee | Zusätzliche mechanische Belastungen müssen unabhängig von der Wärmedehnung berücksichtigt werden. |
| Befestigung | Bohrbild, Befestigungspunkte und Bewegungsraum müssen aufeinander abgestimmt sein. |
Wer HPL-Platten als freistehenden Sichtschutz im Garten oder auf der Terrasse einsetzen möchte, muss deshalb neben der Wärmedehnung auch Feldaufteilung, Plattenstärke, Unterkonstruktion, Pfosten, Windbeanspruchung und Verankerung berücksichtigen. Den Aufbau zeigen wir im Blog Sichtschutz aus HPL-Platten selber bauen.
Zusätzliche Planung: Neben der Wärmeausdehnung kann bei frei spannenden Platten auch die Durchbiegung entscheidend sein. Dafür kann unser Durchbiegungsrechner für Kunststoffplatten zur überschlägigen Vorplanung genutzt werden.
Die thermische Längenänderung einer Kunststoffplatte wird im Wesentlichen durch Plattenlänge, Temperaturdifferenz und materialabhängigen Wärmeausdehnungskoeffizienten bestimmt. Besonders PE, PP und PTFE verändern ihre Abmessungen vergleichsweise stark, während HPL und Alu-Verbundplatten geringere Werte aufweisen.
Entscheidend ist, die zu erwartende Materialbewegung bereits bei Bohrungen, Befestigungspunkten, Fugen und Unterkonstruktion zu berücksichtigen. Dadurch können temperaturbedingte Spannungen und Verformungen vermieden werden.
Passende Kunststoffplatten im Zuschnitt erhalten Sie bei S-Polytec in zahlreichen Werkstoffen, Stärken und Formaten.
Die überschlägige Längenänderung wird mit der Formel ΔL = L × α × ΔT berechnet. Benötigt werden die Ausgangslänge der Platte, der Wärmeausdehnungskoeffizient des Materials und die Temperaturdifferenz.
Zu den Kunststoffen mit vergleichsweise hoher thermischer Ausdehnung gehören PE, PP und PTFE. Sie benötigen bei großen Abmessungen und hohen Temperaturdifferenzen entsprechend viel Bewegungsraum.
Für Acrylglas kann überschlägig mit einem linearen Wärmeausdehnungskoeffizienten von etwa 0,07 mm pro Meter und Kelvin gerechnet werden. Eine 3 m lange Platte verändert ihre Länge bei einer Temperaturdifferenz von 40 K damit rechnerisch um etwa 8,4 mm.
Bei beweglich gelagerten Befestigungen kann ein größerer Bohrdurchmesser der Platte den notwendigen Bewegungsraum gegenüber dem Befestigungsmittel schaffen. Die konkrete Ausführung hängt vom Material und vom jeweiligen Befestigungssystem ab.
Der materialspezifische Wärmeausdehnungskoeffizient wird nicht allein durch die Farbe bestimmt. Dunkle Oberflächen können sich bei Sonneneinstrahlung jedoch stärker erwärmen und dadurch eine größere Temperaturänderung und somit eine größere absolute Längenänderung erreichen.
Ja. Auch HPL-Platten verändern ihre Abmessungen abhängig von Temperatur und Umgebungsbedingungen. Bei der Montage müssen deshalb geeignete Befestigungspunkte und ausreichender Bewegungsraum vorgesehen werden.
Nein. Der Rechner ermittelt lediglich die überschlägige gesamte Längenänderung zwischen zwei Temperaturzuständen. Wie diese Bewegung auf Fugen und Befestigungspunkte verteilt werden muss, hängt vom konkreten Montage- und Befestigungssystem ab.