Wärmeausdehnung von Kunststoffplatten berechnen - Tabelle & Rechner

Wärmeausdehnung von Kunststoffplatten berechnen - Tabelle & Rechner

Die Wärmeausdehnung von Kunststoffplatten sollte besonders im Außenbereich berücksichtigt werden. Mit unserem Rechner können Sie die thermische Längenänderung verschiedener Materialien schnell und einfach berechnen.

Kunststoffplatten verändern bei Temperaturunterschieden ihre Abmessungen. Bei Erwärmung dehnen sie sich aus, bei Abkühlung ziehen sie sich wieder zusammen. Besonders bei Fassadenverkleidungen, Sichtschutz, Balkonverkleidungen, Abdeckungen und anderen großformatigen Anwendungen muss diese Wärmeausdehnung bereits bei Planung und Montage berücksichtigt werden.

In diesem Blog zeigen wir, wie sich die thermische Längenänderung berechnen lässt, welche Kunststoffplatten sich stärker oder schwächer ausdehnen und worauf bei Befestigung, Bohrungen und Bewegungsraum zu achten ist. Mit unserem Rechner können Sie die Wärmeausdehnung von Acrylglas, Polycarbonat, PVC, PE, PP, PETG, HPL, Alu-Verbundplatten und weiteren Werkstoffen direkt überschlägig berechnen.

Warum ist Wärmeausdehnung bei Kunststoffplatten wichtig?

Kunststoffe reagieren auf Temperaturänderungen stärker als viele metallische Werkstoffe. Wird eine Platte wärmer, nimmt ihre Länge zu. Bei sinkender Temperatur zieht sich das Material wieder zusammen.

Wie groß die Längenänderung ausfällt, hängt vor allem vom Werkstoff, von der Plattenlänge und von der Temperaturdifferenz ab.

  • Große Plattenformate: Je länger die Platte, desto größer fällt die absolute Längenänderung aus.
  • Außenbereich: Sommer und Winter können erhebliche Temperaturunterschiede verursachen.
  • Dunkle Oberflächen: Sie können sich bei direkter Sonneneinstrahlung deutlich stärker aufheizen.
  • Starre Befestigung: Fehlender Bewegungsraum kann Spannungen und Verformungen verursachen.
  • Bohrungen und Fugen: Sie müssen so ausgelegt werden, dass sich die Platte bewegen kann.

Wichtig: Wird die thermische Ausdehnung nicht berücksichtigt, können Spannungen, Wellenbildung, Verformungen oder im ungünstigen Fall Risse und Schäden an Befestigungspunkten entstehen.

Formel zur Berechnung der Wärmeausdehnung

Die thermische Längenänderung lässt sich überschlägig mit einer einfachen Formel berechnen:

ΔL = L × α × ΔT

Zeichen Bedeutung
ΔL Längenänderung der Platte in mm
L Ausgangslänge der Platte in mm
α Linearer Wärmeausdehnungskoeffizient des Materials in 1/K
ΔT Temperaturdifferenz in K beziehungsweise °C

Je größer Plattenlänge und Temperaturdifferenz sind, desto größer wird die absolute Längenänderung. Zusätzlich beeinflusst der materialabhängige Wärmeausdehnungskoeffizient das Ergebnis.

Hinweis: Für Temperaturdifferenzen ist der Zahlenwert in Kelvin und Grad Celsius identisch. Eine Temperaturänderung von 40 °C entspricht deshalb einer Temperaturdifferenz von 40 K.

Wärmeausdehnung von Kunststoffplatten berechnen

Wählen Sie das Material aus und geben Sie Plattenlänge sowie erwartete Temperaturdifferenz ein. Der Rechner ermittelt daraus die überschlägige thermische Längenänderung.

mm
°C
Berechnete Längenänderung

Geben Sie Ihre Werte ein und starten Sie die Berechnung.

Hinweis: Die hinterlegten Wärmeausdehnungskoeffizienten sind typische Richtwerte. Je nach Materialtype, Hersteller, Temperaturbereich, Plattenaufbau und konkreter Ausführung können die tatsächlichen Kennwerte abweichen.

Wärmeausdehnung verschiedener Materialien im Vergleich

Die folgende Tabelle zeigt typische lineare Wärmeausdehnungskoeffizienten. Je höher der Wert, desto stärker verändert sich die Länge eines Werkstücks bei gleicher Temperaturänderung.

Material α in mm/m·K Typische Anwendung
Acrylglas ca. 0,07 Sichtscheiben, Verglasungen und Abdeckungen
Polycarbonat ca. 0,065 Schutzverglasungen und Maschinenschutz
PETG ca. 0,06 Schutzscheiben und transparente Verkleidungen
PVC-Hart ca. 0,08 Technische Platten und Verkleidungen
ABS ca. 0,07–0,10 Gehäuse und technische Bauteile
PE ca. 0,10–0,20 Behälterbau und technische Anwendungen
PP ca. 0,12 Behälterbau und chemisch beanspruchte Bauteile
PTFE ca. 0,12–0,20 Gleit-, Dichtungs- und Chemietechnik
HPL-Kompaktplatten ca. 0,02–0,03 Fassaden, Sichtschutz und Balkonverkleidungen
Alu-Verbundplatten ca. 0,024 Fassaden, Wand- und Dachrandverkleidungen
Aluminium ca. 0,023 Profile und Unterkonstruktionen
Edelstahl V2A ca. 0,016 Befestigungen und Metallkonstruktionen
Stahl ca. 0,012 Unterkonstruktionen und Stahlbau
Glas ca. 0,009 Verglasungen

Materialkennwerte: Die Werte dienen als typische Richtwerte. Weitere Angaben zu unseren Plattenwerkstoffen finden Sie in den technischen Datenblättern für Kunststoffplatten.

Beispielrechnung: Wärmeausdehnung von Acrylglas

Eine 3000 mm lange Acrylglasplatte wird im Außenbereich montiert. Zwischen zwei betrachteten Temperaturzuständen wird eine Temperaturdifferenz von 40 °C angenommen.

Plattenlänge 3000 mm
Wärmeausdehnungskoeffizient 0,00007 1/K
Temperaturdifferenz 40 K
Berechnung 3000 × 0,00007 × 40
Längenänderung 8,4 mm

Die Länge der Platte verändert sich zwischen den beiden betrachteten Temperaturzuständen somit rechnerisch um rund 8,4 mm. Dieser Bewegungsbereich muss bei der Konstruktion und Befestigung berücksichtigt werden.

Wichtig: Die 8,4 mm sind die gesamte Längenänderung zwischen den beiden angenommenen Temperaturzuständen. Wie viel Bewegungsraum an einzelnen Plattenrändern erforderlich ist, hängt vom konkreten Montageaufbau und vom Bezugspunkt der Befestigung ab.

Welche Materialien dehnen sich besonders stark aus?

Zwischen den verschiedenen Plattenwerkstoffen bestehen deutliche Unterschiede. Materialien mit hohem Wärmeausdehnungskoeffizienten benötigen bei großen Formaten entsprechend mehr Bewegungsraum.

Einordnung Materialien
Hohe Wärmeausdehnung PE, PP und PTFE
Mittlere Wärmeausdehnung Acrylglas, Polycarbonat, PETG, PVC-Hart und ABS
Geringere Wärmeausdehnung HPL-Kompaktplatten und Alu-Verbundplatten
Metallische Vergleichswerkstoffe Aluminium, Edelstahl und Stahl

Die geringere thermische Längenänderung von HPL und Alu-Verbundplatten bedeutet jedoch nicht, dass bei deren Montage kein Bewegungsraum erforderlich ist. Auch hier müssen Plattengröße, Temperaturbereich und jeweiliges Befestigungssystem berücksichtigt werden.

Wärmeausdehnung bei der Montage berücksichtigen

Kunststoffplatten sollten so montiert werden, dass die temperaturbedingte Materialbewegung nicht durch eine starre Befestigung verhindert wird.

  • Bohrlöcher ausreichend dimensionieren: Die Platte benötigt Bewegungsraum gegenüber dem Befestigungsmittel.
  • Nicht starr einklemmen: Schrauben und Befestigungen dürfen die notwendige Materialbewegung nicht vollständig blockieren.
  • Dehnungsfugen berücksichtigen: Zwischen Platten und angrenzenden Bauteilen muss ausreichend Platz vorhanden sein.
  • Große Plattenfelder unterteilen: Kleinere Felder reduzieren die absolute Längenänderung einzelner Elemente.
  • Dunkle Platten berücksichtigen: Stärkere Erwärmung durch Sonneneinstrahlung kann größere Temperaturdifferenzen verursachen.

Acrylglas richtig bohren und verschrauben

Wie Sie saubere Bohrlöcher herstellen und genügend Bewegungsspiel für eine spätere Verschraubung berücksichtigen, zeigen wir im Blog Acrylglas bohren und richtig verschrauben.

Fix- und Gleitpunkte bei HPL-Platten

Bei HPL-Platten wird die notwendige Materialbewegung unter anderem über Fix- und Gleitpunkte berücksichtigt. Wie die Bohrungen ausgeführt werden, erklären wir ausführlich im Blog HPL-Platten bohren.

Hinweise zum Auflegen, Fixieren, Sägen und Fräsen finden Sie zusätzlich im Blog HPL-Platten schneiden.

Wärmeausdehnung bei Außenanwendungen

Bei Außenanwendungen wirken neben der Materialausdehnung weitere Einflüsse auf die Konstruktion. Deshalb darf die Berechnung der Längenänderung niemals isoliert betrachtet werden.

Einfluss Bei der Planung berücksichtigen
Sonneneinstrahlung Oberflächentemperatur kann deutlich über der Lufttemperatur liegen.
Plattenfarbe Dunkle Oberflächen können sich stärker erwärmen als helle.
Plattengröße Große Platten besitzen eine größere absolute Längenänderung.
Unterkonstruktion Sie muss Materialbewegung zulassen und gleichzeitig ausreichend stabil sein.
Wind und Schnee Zusätzliche mechanische Belastungen müssen unabhängig von der Wärmedehnung berücksichtigt werden.
Befestigung Bohrbild, Befestigungspunkte und Bewegungsraum müssen aufeinander abgestimmt sein.

Wer HPL-Platten als freistehenden Sichtschutz im Garten oder auf der Terrasse einsetzen möchte, muss deshalb neben der Wärmedehnung auch Feldaufteilung, Plattenstärke, Unterkonstruktion, Pfosten, Windbeanspruchung und Verankerung berücksichtigen. Den Aufbau zeigen wir im Blog Sichtschutz aus HPL-Platten selber bauen.

Zusätzliche Planung: Neben der Wärmeausdehnung kann bei frei spannenden Platten auch die Durchbiegung entscheidend sein. Dafür kann unser Durchbiegungsrechner für Kunststoffplatten zur überschlägigen Vorplanung genutzt werden.

Wärmeausdehnung von Kunststoffplatten: Das Wichtigste zusammengefasst

Die thermische Längenänderung einer Kunststoffplatte wird im Wesentlichen durch Plattenlänge, Temperaturdifferenz und materialabhängigen Wärmeausdehnungskoeffizienten bestimmt. Besonders PE, PP und PTFE verändern ihre Abmessungen vergleichsweise stark, während HPL und Alu-Verbundplatten geringere Werte aufweisen.

Entscheidend ist, die zu erwartende Materialbewegung bereits bei Bohrungen, Befestigungspunkten, Fugen und Unterkonstruktion zu berücksichtigen. Dadurch können temperaturbedingte Spannungen und Verformungen vermieden werden.

Passende Kunststoffplatten im Zuschnitt erhalten Sie bei S-Polytec in zahlreichen Werkstoffen, Stärken und Formaten.

Häufige Fragen zur Wärmeausdehnung von Kunststoffplatten

Wie berechnet man die Wärmeausdehnung einer Kunststoffplatte?

Die überschlägige Längenänderung wird mit der Formel ΔL = L × α × ΔT berechnet. Benötigt werden die Ausgangslänge der Platte, der Wärmeausdehnungskoeffizient des Materials und die Temperaturdifferenz.

Welcher Kunststoff dehnt sich bei Wärme besonders stark aus?

Zu den Kunststoffen mit vergleichsweise hoher thermischer Ausdehnung gehören PE, PP und PTFE. Sie benötigen bei großen Abmessungen und hohen Temperaturdifferenzen entsprechend viel Bewegungsraum.

Wie stark dehnt sich Acrylglas bei Wärme aus?

Für Acrylglas kann überschlägig mit einem linearen Wärmeausdehnungskoeffizienten von etwa 0,07 mm pro Meter und Kelvin gerechnet werden. Eine 3 m lange Platte verändert ihre Länge bei einer Temperaturdifferenz von 40 K damit rechnerisch um etwa 8,4 mm.

Warum müssen Bohrlöcher bei Kunststoffplatten größer sein?

Bei beweglich gelagerten Befestigungen kann ein größerer Bohrdurchmesser der Platte den notwendigen Bewegungsraum gegenüber dem Befestigungsmittel schaffen. Die konkrete Ausführung hängt vom Material und vom jeweiligen Befestigungssystem ab.

Dehnen sich dunkle Kunststoffplatten stärker aus?

Der materialspezifische Wärmeausdehnungskoeffizient wird nicht allein durch die Farbe bestimmt. Dunkle Oberflächen können sich bei Sonneneinstrahlung jedoch stärker erwärmen und dadurch eine größere Temperaturänderung und somit eine größere absolute Längenänderung erreichen.

Muss bei HPL-Platten die Wärmeausdehnung berücksichtigt werden?

Ja. Auch HPL-Platten verändern ihre Abmessungen abhängig von Temperatur und Umgebungsbedingungen. Bei der Montage müssen deshalb geeignete Befestigungspunkte und ausreichender Bewegungsraum vorgesehen werden.

Kann der Wärmeausdehnungsrechner die genaue Fugenbreite bestimmen?

Nein. Der Rechner ermittelt lediglich die überschlägige gesamte Längenänderung zwischen zwei Temperaturzuständen. Wie diese Bewegung auf Fugen und Befestigungspunkte verteilt werden muss, hängt vom konkreten Montage- und Befestigungssystem ab.

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Kategorie Kunststoffplatten