Acrylglas bohren gelingt mit einem scharfen Bohrer, einer stabilen Unterlage und einem kontrollierten Vorschub. Weil Acrylglas, fachlich auch als PMMA bezeichnet, hart und vergleichsweise spröde ist, können ein ungeeignetes Werkzeug, hoher Anpressdruck oder eine vibrierende Platte schnell zu Ausbrüchen, Rissen oder angeschmolzenen Bohrlochrändern führen.
In diesem Blog zeigen wir Schritt für Schritt, wie Sie Acrylglas richtig bohren. Sie erfahren, welcher Bohrer geeignet ist, warum die Platte an der Bohrstelle vollständig aufliegen sollte und worauf Sie bei Drehzahl, Spanabfuhr, Reinigung und späterer Verschraubung achten müssen.
Acrylglas kann mit einem Akkuschrauber, einer Bohrmaschine oder einer stationären Bohrmaschine bearbeitet werden. Entscheidend ist vor allem der eingesetzte Bohrer. Seine Schneiden müssen scharf sein und das Material sauber abtragen, anstatt es mit hohem Druck zu verdrängen.
Besonders gut eignen sich Bohrer, deren Spitze und Schneidengeometrie auf Kunststoffe abgestimmt sind. Eine passende Lösung ist der HSS-G Kunststoffbohrer Typ HK. Der profilgeschliffene Spiralbohrer nach DIN 338 wurde speziell für Kunststoffe entwickelt. Seine selbstzentrierende Spitze mit einem Spitzenwinkel von 80 Grad erleichtert das genaue Ansetzen und reduziert bei sachgemäßer Anwendung die Gefahr von Ausbrüchen und Rissen.
Mit einem selbstzentrierenden Kunststoffbohrer ist ein Vorbohren bei vielen Bohrdurchmessern nicht erforderlich. Die Spitze kann direkt auf der markierten Position angesetzt werden. Bei anderen Bohrertypen oder größeren Öffnungen kann es dagegen sinnvoll sein, das Bohrloch schrittweise zu erweitern.
Bei einem wichtigen Bauteil empfiehlt sich eine Probebohrung an einem Reststück derselben Acrylglasart und Materialstärke. So lässt sich prüfen, wie sich Bohrer, Drehzahl und Vorschub in der konkreten Kombination verhalten.
Ein sehr scharfer HSS-Metallbohrer kann grundsätzlich ebenfalls verwendet werden. Ein speziell geschliffener Kunststoffbohrer ist jedoch auf das spröde Material abgestimmt und bietet beim Ansetzen sowie beim Austritt aus der Platte in der Regel mehr Kontrolle.
Wird ein normaler Metallbohrer eingesetzt, sind eine vollständig unterlegte Bohrstelle, geringer Anpressdruck und ein besonders vorsichtiger Vorschub beim Durchtritt wichtig. Stumpfe oder beschädigte Bohrer sollten nicht verwendet werden.
Wichtig: Bohren Sie Acrylglas immer ohne Schlagbohrfunktion. Die schlagende Bewegung kann Risse und Ausbrüche verursachen und den verwendeten Spiralbohrer beschädigen.
Eine sichere Auflage ist beim Bohren mindestens so wichtig wie der Bohrer selbst. Kann die Acrylglasplatte flattern oder vibrieren, wird der Bereich rund um das Bohrloch unnötig belastet. Besonders beim Austritt des Bohrers kann der Bohrlochrand dadurch ausbrechen.
Bohrposition auf der Schutzfolie markieren, die Bohrstelle vollständig unterlegen und Acrylglas sowie Opferplatte sicher fixieren.
Die Schutzfolie sollte während des Anzeichnens und Bohrens möglichst auf dem Acrylglas verbleiben. Sie schützt die Oberfläche vor Kratzern, Werkzeugspuren und Verschmutzungen. Die Position des Bohrlochs kann direkt auf der Folie markiert werden.
Ist die Schutzfolie beschädigt oder befinden sich Schmutzpartikel darunter, sollte der Bereich vor dem Fixieren kontrolliert und gegebenenfalls neu geschützt werden. Fehlt die Folie bereits, kann der unmittelbare Arbeitsbereich mit einem geeigneten Klebeband abgedeckt werden. Das Klebeband ersetzt jedoch weder die stabile Unterlage noch die sichere Fixierung.
Legen Sie das Acrylglas an der Bohrstelle vollständig auf eine ebene Platte aus weichem Holz oder einem geeigneten Kunststoff. Der Bohrer kann beim Austritt direkt in diese sogenannte Opferplatte weiterlaufen. Dadurch bleibt die Unterseite des Acrylglases abgestützt und kann nicht so leicht ausbrechen.
Fixieren Sie Acrylglas und Unterlage gemeinsam, damit beide Teile während des Bohrens weder verrutschen noch vibrieren. Zwischen Klemmzwinge und Acrylglas sollte eine weiche Zwischenlage liegen, damit keine Kratzer oder Druckstellen entstehen.
Bohrungen sollten nicht unnötig nah an einer Plattenkante oder Ecke gesetzt werden. Je größer die Bohrung und je stärker die spätere Belastung, desto größer sollte auch der Abstand zur Außenkante gewählt werden. Eine einheitliche Randabstandsregel für jede Plattenstärke, Bohrungsgröße und Konstruktion gibt es nicht.
Prüfen Sie vor dem Bohren außerdem, welche Aufgabe das Loch später erfüllt. Eine reine Kabeldurchführung stellt andere Anforderungen als eine Bohrung für eine Schraube, einen Abstandshalter oder einen Beschlag.
Den Bohrer senkrecht ansetzen, ohne hohen Druck durch das Acrylglas führen und das fertige Bohrloch anschließend kontrollieren.
Profi-Tipp: Eine kleine Menge Schmierseife kann beim Bohren als Schmiermittel verwendet werden. Sie reduziert die Reibung und damit auch die Wärmeentwicklung an der Bohrstelle.
Eine pauschale Drehzahl lässt sich nicht für jeden Bohrerdurchmesser, jede Plattenstärke und jede Maschine festlegen. Kleinere Bohrer können in der Regel mit einer höheren Drehzahl arbeiten als größere. Entscheidend ist, dass der Bohrer das Acrylglas sauber schneidet und die Späne zuverlässig aus dem Bohrloch transportiert werden.
Haften Späne am Bohrer, wird die Bohrstelle deutlich warm oder beginnt sich der Bohrlochrand zu verformen, sollten Drehzahl, Vorschub, Spanabfuhr und Zustand des Werkzeugs überprüft werden. Der Rand darf nicht schmierig werden oder sichtbar anschmelzen.
Starker Anpressdruck macht den Bohrvorgang nicht automatisch schneller. Er kann dazu führen, dass sich der Bohrer beim Austritt ruckartig in das Material zieht. Halten Sie die Maschine sicher und lassen Sie die scharfen Schneiden arbeiten.
Bei stärkeren Platten kann der Bohrer zwischendurch vorsichtig aus dem Bohrloch gezogen werden. So können die Späne entweichen und die entstehende Wärme wird besser abgeführt. Beim erneuten Ansetzen muss der Bohrer wieder sauber in der vorhandenen Bohrung geführt werden.
Praxis-Hinweis: Testen Sie Drehzahl und Vorschub nach Möglichkeit zunächst an einem Reststück. So erkennen Sie, ob der Bohrer kontrolliert schneidet und die Späne zuverlässig aus dem Bohrloch abgeführt werden.
Für größere Öffnungen können je nach gewünschtem Durchmesser ein größerer Kunststoffbohrer oder ein geeigneter Kegel- beziehungsweise Stufenbohrer verwendet werden. Auch dieses Werkzeug muss scharf und für die Bearbeitung von Kunststoffen geeignet sein.
Mit zunehmendem Bohrdurchmesser steigt die Belastung rund um das Bohrloch. Die Acrylglasplatte sollte deshalb vollständig aufliegen und besonders sorgfältig fixiert werden. Arbeiten Sie mit kontrolliertem Vorschub und testen Sie das Werkzeug nach Möglichkeit zunächst an einem Reststück.
Mit einem Kegel- oder Stufenbohrer wird die Öffnung schrittweise erweitert. Beenden Sie den Bohrvorgang, sobald der gewünschte Durchmesser erreicht ist. Auch bei großen Bohrungen gilt: ohne Schlagbohrfunktion und ohne hohen Anpressdruck arbeiten.
Mit einem scharfen, profilgeschliffenen Kunststoffbohrer entsteht meist ein gleichmäßiges Bohrloch, das nur wenig Nacharbeit benötigt. Ein leichter Grat kann vorsichtig mit einem geeigneten Entgrater oder sehr feinem Schleifpapier entfernt werden. Arbeiten Sie dabei ohne hohen Druck, damit keine neuen Kerben entstehen.
Eine Senkung sollte nur hergestellt werden, wenn sie für die vorgesehene Schraube erforderlich ist. Arbeiten Sie dabei besonders vorsichtig, damit am Bohrloch keine tiefen Kerben oder zusätzlichen Spannungen entstehen.
Entfernen Sie grobe Späne zunächst vorsichtig mit ausreichend klarem Wasser. Lose Partikel dürfen nicht trocken über die Acrylglasoberfläche gerieben werden, da sie Kratzer verursachen können. Rückstände der Schmierseife sollten ebenfalls zunächst mit klarem Wasser abgespült werden.
Für die anschließende materialschonende Reinigung eignet sich der S-Polybond PMMAclean Acrylglasreiniger. Verwenden Sie ein weiches, fusselfreies Tuch, jedoch kein Mikrofasertuch. Nach der Reinigung kann die Fläche mit einem sauberen, weichen und fusselfreien Tuch streifenfrei nachgewischt werden. Scheuernde Schwämme sollten vermieden werden.
Die Schutzfolie kann nach Abschluss der Bohr- und Montagearbeiten vorsichtig entfernt werden.
Ein sauber gebohrtes Loch schützt die Platte nicht automatisch vor späteren Spannungsrissen. Acrylglas dehnt sich bei steigenden Temperaturen aus und zieht sich bei sinkenden Temperaturen wieder zusammen. Wird die Platte durch ein exakt passendes Bohrloch und eine fest angezogene Schraube starr eingespannt, kann diese Bewegung behindert werden.
Soll Acrylglas nicht verschraubt, sondern dauerhaft verbunden werden, kommen je nach Materialkombination und Fugenbreite unterschiedliche Klebstoffsysteme infrage. Welche Klebstoffe geeignet sind und worauf es bei Vorbereitung, Fixierung und Aushärtung ankommt, zeigt unser Blog Acrylglas richtig kleben.
Bei verschraubten Acrylglasplatten sollte das Bohrloch deshalb ausreichend größer als der Schraubendurchmesser ausgeführt werden. Das notwendige Bewegungsspiel hängt unter anderem von Plattengröße, Temperaturbereich, Abstand der Befestigungspunkte und Einbausituation ab.
Wie stark sich eine Kunststoffplatte bei Temperaturänderungen ausdehnen kann, zeigt unser Blog zur Wärmeausdehnung von Kunststoffplatten.
Ausreichendes Bewegungsspiel und eine druckverteilende Scheibe helfen, punktuelle Spannungen an den Befestigungspunkten zu vermeiden.
Ziehen Sie die Schrauben nur so weit an, dass die Platte sicher gehalten, aber nicht eingeklemmt oder sichtbar verformt wird. Geeignete Unterleg- oder Dichtscheiben verteilen den Anpressdruck auf eine größere Fläche. Der Schraubenkopf sollte nicht mit hohem Druck direkt auf dem Acrylglas aufliegen.
Wichtig: Neben ausreichend großen Bohrlöchern muss auch an den Plattenrändern genügend Platz für die temperaturbedingte Bewegung vorgesehen werden.
Die grundlegende Bohrtechnik ist bei den unterschiedlichen Acrylglasvarianten gleich: Die Platte muss stabil aufliegen, sicher fixiert und mit einem scharfen, geeigneten Bohrer bearbeitet werden. Unterschiede ergeben sich vor allem bei der späteren Sichtbarkeit des Bohrlochrands.
Die unterschiedlichen Ausführungen finden Sie in unserer Kategorie Acrylglasplatten im Zuschnitt. Weitere Grundlagen zu PMMA und der bekannten Markenbezeichnung PLEXIGLAS® erklärt unser Beitrag Acrylglas und PLEXIGLAS® im Detail.
Bei Acrylglasplatten mit einer zusätzlichen Oberflächenbeschichtung sollten vor der Bearbeitung die Angaben des jeweiligen Herstellers geprüft werden. Die Beschichtung kann andere Anforderungen an Oberflächenschutz und Nachbearbeitung stellen.
Typische Fehlerbilder sind ausgebrochene, angeschmolzene oder gerissene Bohrlochränder.
Saubere Bohrlöcher in Acrylglas entstehen durch das Zusammenspiel aus geeignetem Werkzeug, stabiler Unterlage und kontrollierter Verarbeitung. Ein scharfer Kunststoffbohrer mit angepasster Geometrie bietet besonders viel Kontrolle. Die Platte sollte an der Bohrstelle vollständig aufliegen und gemeinsam mit der Opferplatte sicher fixiert werden.
Arbeiten Sie ohne Schlagbohrfunktion, mit gleichmäßigem Vorschub und ohne hohen Anpressdruck. Reduzieren Sie den Vorschub, bevor der Bohrer auf der Unterseite austritt, und achten Sie darauf, dass die Späne zuverlässig aus dem Bohrloch abgeführt werden.
Bei der späteren Montage sind ausreichend große Bohrlöcher und eine spannungsarme Verschraubung wichtig. Passende HSS-G Kunststoffbohrer Typ HK sowie Acrylglasplatten im Zuschnitt finden Sie direkt in unserem Onlineshop.
Besonders geeignet sind scharfe Kunststoffbohrer mit einer auf spröde Kunststoffe abgestimmten Geometrie. Ein profilgeschliffener HSS-G-Kunststoffbohrer mit selbstzentrierender Spitze und einem Spitzenwinkel von 80 Grad ermöglicht präzise und kontrollierte Bohrungen.
Ein sehr scharfer HSS-Metallbohrer kann grundsätzlich verwendet werden. Ein spezieller Kunststoffbohrer ist jedoch besser auf das spröde Material abgestimmt und bietet beim Ansetzen und beim Austritt aus der Platte in der Regel mehr Kontrolle.
Mit einem selbstzentrierenden Kunststoffbohrer ist ein Vorbohren bei vielen Durchmessern nicht erforderlich. Bei anderen Bohrertypen oder größeren Öffnungen kann ein schrittweises Erweitern der Bohrung sinnvoll sein.
Die Schutzfolie sollte während des Anzeichnens und Bohrens möglichst auf der Acrylglasplatte verbleiben. Sie schützt die Oberfläche vor Kratzern und Verschmutzungen und kann nach Abschluss der Bearbeitung und Montage entfernt werden.
Legen Sie die Acrylglasplatte an der Bohrstelle vollständig auf eine ebene Opferplatte aus weichem Holz oder Kunststoff. Reduzieren Sie den Vorschub, bevor der Bohrer die Unterseite erreicht, und bohren Sie kontrolliert in die Unterlage weiter.
Die passende Drehzahl hängt von Bohrerdurchmesser, Plattenstärke, Werkzeuggeometrie und Maschine ab. Entscheidend ist, dass der Bohrer das Material sauber schneidet und der Bohrlochrand weder anschmilzt noch sich verformt.
Bei verschraubten Acrylglasplatten sollte das Bohrloch ausreichend größer als der Schraubendurchmesser ausgeführt werden. So kann sich die Platte bei Temperaturänderungen bewegen, ohne durch die Schraube starr eingespannt zu werden.
Grobe Späne und Schmierseifenreste sollten zunächst mit ausreichend klarem Wasser entfernt werden. Anschließend kann die Oberfläche mit einem weichen, fusselfreien Tuch und einem geeigneten Acrylglasreiniger gereinigt werden. Lose Partikel dürfen nicht trocken über die Oberfläche gerieben werden; Mikrofasertücher sollten vermieden werden.